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Auf dem Bildern: Larve mit Behausung, Die Biologisch-technische Assistentin Sylvia Mählmann bei der Probennahme am Gewässer,  Die Silhouette der Köcherfliegenart erinnert an eine schwarze Miniatur-Krawatte
Überschrift
In Waltrop fliegen Mini-Krawatten
Datum
24.10.2019
Meldung

Noch kann man sie am Schwarzbach in Waltrop beobachten: Von Mai bis Oktober schließen sich die Krawatten-Köcherfliegen im Zick-Zack-Flug zu einer auffälligen Choreografie zusammen. Insbeson-dere die Männchen sind hervorragende „Tänzer". Einmal gelandet, se-hen die zarten Insekten wie schwarze Miniatur-Krawatten aus. Auch an-hand ihrer schwarz-weiß geringelten und extralangen Fühler sind sie gut zu erkennen. Die Larven gelten als verlässliche Anzeiger für eine gute Gewässerqualität und sind darum die „Lippeverbands-Bewohner des Monats".

Klimaschutz, Nachhaltigkeit oder Insektensterben sind allgegenwärtige Themen – auch direkt vor unserer Haustür. Mit Renaturierungsmaßnahmen an unseren Gewässern tragen wir aktiv zum Klimaschutz in der Region bei. In unserer Serie „Bewohner des Monats“ nehmen wir die Flussbewohner sprichwörtlich unter die Lupe, die in der Öffentlichkeit eher wenig Beachtung finden, obwohl sie ein wichtiger Teil unseres Ökosystems sind. Insekten, Muscheln und Kleinstlebewesen verraten uns viel über die Qualität unserer Gewässer und bilden mit weiteren Parametern wichtige Werte für den EU-weiten Probenvergleich.

„Die Krawatten-Köcherfliegen benötigen nicht nur klares, sauberes Wasser. Auch eine ungestörte Ufervegetation ist enorm wichtig für ihre Entwicklung“, weiß Sylvia Mählmann, Biologisch-technische Assistentin beim Lippeverband. Daher seien naturbelassene Randzonen von entscheidender Bedeutung für die Artenvielfalt und ein funktionierendes Ökosystem.

Seidentapete im Larven-Mobilheim

Die Larven der Krawatten-Köcherfliege wachsen im Wasser auf, sobald sie ihre schützenden Eier verlassen haben. Ihre erste Tat: der Aufbau eines Basislagers, aus einem selbstgesponnenen Fadengerüst auf festem Grund. Danach gehen sie richtig ans Werk. Die Larven lieben eine luxuriöse Behausung, für deren Gestaltung sie sich Zeit lassen. Sie sammeln Sandkörnchen und Pflanzenteile, die sie kunstvoll miteinander verkleben. Der finale Clou: die Auskleidung der Wohnröhre mit gesponnener Seide. Dann kann die Larve die Ankerverbindung zum Basislager abbeißen und mit ihrem Luxus-Mobilheim losziehen.

Mobilheim wächst mit: vorne Anbau hinten Abbiss

Als „Flexitarier“ ernährt sich die Krawattenfliegen-Larve vorwiegend von Pflanzenteilen, verschmäht aber auch kleinere Tiere oder Aas nicht. Während der drei bis vier Wachstumsstadien passt sie ihr Mobilheim kontinuierlich ihrer Größe an. Vorne baut sie an, hinten knabbert sie ab. Der ganze Aufwand hat einen Zweck: Der Köcher dient als Schutzraum und Tarnung gegenüber Fressfeinden, denn für Fische oder größere Insekten wäre die kleine Köcherfliege ein gefundenes Fressen. Im Frühjahr baut die Larve einen ortsfesten Puppenköcher. Diese Röhre ist mit einer Membran verschlossen. So geschützt, entwickelt sich eine Puppe, die sich nach ungefähr einem Monat aus dem Köcher befreit und an die Wasseroberfläche schwimmt. Pflanzenteile und Steine, die aus dem Wasser ragen, sind dann geeignete Stellen für den weiteren Schlüpfvorgang. Durch kräftige Pumpbewegungen bringen sie eine Nahtstelle auf ihrem Rücken zum Platzen. In wenigen Minuten schlüpft das erwachsene Insekt. Die leeren Hüllen lassen sich noch lange Zeit in der Ufervegetation finden.

 

INFOS

Programm „Lebendige Lippe“

Durch das Programm „Lebendige Lippe“ soll sich der längste Fluss in NRW natürlicher entwickeln. Diese Veränderungen erfassen die Lippeverbands Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Labors anhand von Probenahmen entlang der Lippe und ihrer Nebenläufe. Dabei untersuchen sie regelmäßig insgesamt 431 Kilometer Wasserläufe im Verbandsgebiet. Ausgewählte Lebewesen, die etwas über die Wasserqualität verraten, stellt der Lippeverband in seiner Serie „Bewohner des Monats“ vor.

Die Lippe ist ein 220 Kilometer langer Nebenfluss des Rheins. Sie entspringt in Bad Lippspringe und mündet in Wesel in den Rhein. Auf der rund 147 Kilometer langen Strecke zwischen Lippborg und Wesel fließt die Lippe durch das Gebiet des Lippeverbandes. Hier hat das Land NRW die Unterhaltung und den Ausbau des Flusses an den Lippeverband übertragen. Der Lippeverband übernimmt neben der allgemeinen Pflicht der Gewässerunterhaltung auch die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie an der Lippe. Hierzu hat der Lippeverband im Jahre 2013 das Programm „Lebendige Lippe“ für seinen Zuständigkeitsbereich aufgelegt und neben der Fortsetzung der bestehenden Projekte mehrere neue Projekte begonnen.

Lippeverband

Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zurzeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren (vgl. www.eglv.de).

KONTAKT

Pressesprecherin: Anne-Kathrin Lappe
Telefon (0201) 104-2114
Email: lappe.anne-kathrin@eglv.de

Auf den Bildern: Die Larven lieben eine luxuriöse Behausung: Sie sammeln Sandkörnchen und Pflanzenteile, die sie kunstvoll miteinander verkleben. Foto: Team Labor / EGLV; Die Biologisch-technische Assistentin Sylvia Mählmann bei der Probennahme am Gewässer. Foto: Rupert Oberhäuser / EGLV; Die Silhouette der Köcherfliegenart erinnert an eine schwarze Miniatur-Krawatte. Foto: Uwe Gläser / EGLV