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Auf der Bildcollage (von oben im Uhrzeigersinn): Panorama mit Schachtzeichen, Musikschule Waltrop, Bühne im Grünen, Willi Herden überreicht Nicole Moenikes das letzte hinauf beförderte Stück Kohle. Foto: © Stadt Waltrop, Designelemente: © Maria Diekmann
Überschrift
Musik, Kunst und Kultur, Führungen, Vorträge und viele Erinnerungen: Beim Zechenfest im Waltroper Osten wollten alle „Kumpel bleiben Über Tage“
Datum
01.07.2019
Meldung

Am vergangenen Freitag, den 28. Juni 2019, fand im Gewerbepark Zeche Waltrop ein großes Fest statt. Anlass war das Jubiläum der Zechenschließung vor 40 Jahren, Motto und Titel der Veranstaltung war „Kumpel bleiben Über Tage“.

Wo einst Kohle das Leben bestimmte, standen für einen Tag Geschichte, Kunst und Kultur im Scheinwerferlicht. Die Alte Zeche im Waltroper Osten verwandelte sich in eine bunte Erlebniswelt mit Live-Musik, Lesungen, Führungen, Ausstellungen und vielem mehr. Zahlreiche Bergleute kamen zum Fest und fanden über die vielen Erinnerungsstücke, die das bunte Programm bot, ins Gespräch. Viele von ihnen hatten bis 1979 auf Zeche Waltrop gearbeitet.

Für das musikalische Rahmenprogramm am Nachmittag sorgten der Shanty-Chor der Musikschule Waltrop und Holger Brinkmann als Mr. B. Mit viel Humor und dem richtigen Ruhrpott-Slang traf auch die Lesung von Krimi-Autorin Margit Kruse den richtigen Ton. Für Kinder gab es das Spielemobil und Schmink-Aktionen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beteiligte sich mit einem Aktionsstand.

Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens öffnete der weltweit erfolgreiche Spezial-Rad-Hersteller Hase Bikes die Werkstore. Die jüngst konstruierten „Beest-Bikes“ zogen die Blicke vieler Besucher auf sich.

Zur offiziellen Eröffnung am Abend überreichte Willi Herden Bürgermeisterin Nicole Moenikes symbolisch das letzte in Waltrop hinauf beförderte Stück Kohle. Der Schülerchor des THGs präsentierte das Steigerlied. Jedoch nicht nur mit seinen bekannten sieben Strophen, sondern mit der selbstgeschriebenen Ergänzung von Willi Herden, in der der drohende und immerwährende Tod vor Augen allzu nah war. Im Hintergrund wurde symbolisch der große Schachtzeichenballon hinaufgelassen.

Im Anschluss moderierte Clemens Schmale, Leiter der Volkshochschule Waltrop, die Talkrunde „Zeche gestern – heute – morgen“, bei der Willi Herden, Bernard Tinkloh und Kirsten Hase  ihre Verbindung zur Zeche generationsübergreifend ausführlich darstellten. Im Gedächtnis blieb vor allem die Anekdote von Willi Herden, der erzählte, dass man unter Tage auch mal frei bekam, „wenn man keine Lust hatte zu arbeiten“: es ist ja allseits bekannt, dass die Bergleute unter Tage Wellensittiche oder Kanarienvögel mitgenommen hatten, die sie durch ihr Ableben rechtzeitig warnten, falls der Luftgehalt im Stollen zu gering war. Wollten die Kumpel mal nicht arbeiten, dann verabreichten sie den Vögeln in Schnaps getränkte Futterleckerli - die kleinen Tiere fielen reihenweise um und es wurde frei gemacht.

Bei allem Spaß darf man nicht vergessen, dass man dem Tod unter Tage näher war als gewollt. Tief unter der Erde wurden besondere Freundschaften geschlossen. Wer im gleichen Stollen war, saß auch im gleichen Boot. Den Bergmännern war ein Gefühl des Zusammenhalts in Fleisch und Blut übergangen, das reine Freundschaft übersteigt. „Auf den Kumpel neben dir musstest du dich schließlich unter allen Umständen verlassen können“ berichtete Herden.

Nach dem „Zechen-Talk“ stand ein spannender Vortrag von Stadthistoriker Reinhard Jäkel auf dem Programm. Zum Abschluss stieg dann die Party beim Konzert der Lokalmatadoren „Big Wheel“. Mit Oldies, Country und erdigem Rock’n’Roll fand das Zechenfest in entspannter Atmosphäre ein stimmungsvolles Ende.

INFO ZUR ALTEN ZECHE
Der florierende „Gewerbepark Zeche Waltrop“ verbindet hinter historischen Fassaden die Geschichte von damals mit Geschäften von heute. Unter dem Motto "Neue Technik in alten Hallen" entstand auf dem Gelände im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) ein Gewerbegebiet der besonderen Art in grünem Umfeld. Oben auf der Zechenhalde Brockenscheidt treffen sich Ausflügler, um vom Spurwerkturm aus den Blick über das Zechenensemble und die Region zu genießen. Der Spurwerkturm von einer Plattform über der Halde auf „eine der schönsten noch erhaltenen Schachtanlagen des Ruhrgebiets“ (route industriekultur) hinab. Das Ausflugsziel im Waltroper Osten ist Tag und Nacht geöffnet.

>>> Mehr zur Alten Zeche

Auf der Bildcollage (von oben im Uhrzeigersinn): Panorama mit Schachtzeichen, Musikschule Waltrop, Bühne im Grünen, Willi Herden überreicht Nicole Moenikes das letzte hinauf beförderte Stück Kohle. Foto: © Stadt Waltrop, Designelemente: © Maria Diekmann