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Auf dem Bild: Polizeipräsidentin Zurhausen und Bürgermeisterin Nicole Moenikes unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung. Foto: Polizeipräsidium Recklinghausen.
Überschrift
Gemeinsame Bekämpfung von Jugendkriminalität: Waltrop, die Kreisstädte, Bottrop und das Polizeipräsidium Recklinghausen kooperieren im Rahmen der Landesinitiative „Kurve kriegen“
Datum
02.02.2018
Meldung

Die Kreisstädte und Bottrop kooperieren mit dem Polizeipräsidium Recklinghausen, um Jugend- und Folgekriminalität effektiver zu bekämpfen. Gemeinsam setzt man die Landesinitiative „Kurve kriegen“ um, mit der Kindern und Jugendlichen rechtzeitig ein Ausweg aus der Kriminalität ermöglicht werden soll.

Zum Auftakt der Initiative unterzeichneten Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen und Waltrops Bürgermeisterin Nicole Moenikes sowie die Bürgermeister der anderen Kommunen im Kreis Recklinghausen und der Vertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Bottrop am Donnerstag in Recklinghausen in Recklinghausen die Kooperationsvereinbarung.

An dem Termin im Polizeipräsidium nahmen auch die Abteilungsleiterin der Polizei im Innenministerium, Frau Dr. Daniela Lesmeister, der polizeiliche Ansprechpartner, Kriminalhauptkommissar Thomas Kranjc und die pädagogischen Fachkräfte, Frau Damla Karakas und Herr Stefan Bohm (beide AWO) teil.

Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von Bottrop, Castrop-Rauxel, Datteln, Dorsten, Gladbeck, Herten, Marl, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen und Waltrop werden die Initiative unterstützen, indem die Jugendämter eng mit der Polizei und den pädagogischen Fachkräften kooperieren.

Der polizeiliche Ansprechpartner, die beteiligten elf Kommunen im Präsidialbereich und pädagogische Fachkräfte kümmern sich künftig gemeinsam um die Menschen, die bereits im Alter zwischen 8 und 15 Jahren stark delinquent (Strafunmündige) sind oder viele Straftaten begehen. In ihrem Netzwerk werden Maßnahmen getroffen, die verhindern sollen, dass junge Menschen dauerhaft in die Kriminalität abrutschen. Mit Blick auf die vielen Opfer, die enormen sozialen Folgekosten, die ein "Intensivtäter" verursacht sowie seine zu erwartende Außenseiterrolle muss die Intervention frühestmöglich erfolgen - und zwar bevor die kriminelle „Karriere“ Fahrt aufnimmt.

„Mit dem Programm ‚Kurve kriegen‘ geht man einen wichtigen Schritt in der Prävention für Kinder- und Jugendliche um sie in der weiteren Entwicklung effektiv und kooperativ zu begleiten und um damit weitere Gewalttaten zu vermeiden“ sagte Nicole Moenikes am Rande der Unterzeichnung.

Polizeipräsidentin Zurhausen sieht in der Teilnahme an der Initiative ein wirksames Mittel gegen Jugendkriminalität: „Mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung ‚Kurve kriegen‘ gehen wir nicht nur einen weiteren wichtigen Schritt in der Präventionsarbeit, sondern wir senden auch ein wichtiges Signal: Wir kümmern uns und wir helfen. Die Landesinitiative ‚Kurve kriegen‘ mit ihrer im Rahmen einer Evaluation nachgewiesenen Wirksamkeit ist dabei ein ganz wichtiger Baustein. Die Entwicklung von Kindern wird maßgeblich von den persönlichen Lebensumständen beeinflusst. Negative Lebensumstände können Delinquenz und Straftaten begünstigen. Genau da müssen wir ansetzen. Genau da setzt ‚Kurve kriegen‘ an.“


INFOS ZUM KONZEPT DER INITIATIVE

1. Frühzeitiges Erkennen besonderer Kriminalitätsgefährdung durch ein umfassendes und standardisiertes Risikoscreening von Polizei und pädagogischen Fachkräften können die besonders kriminalitätsgefährdeten Kinder und jungen Jugendlichen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt sondiert und identifiziert werden. Dabei werden neben den strafrechtlichen Auffälligkeiten insbesondere die Lebensumstände der jungen Menschen in den Fokus genommen. Der frühe und individuelle Ansatz verhindert aus polizeilicher Sicht Kriminalität und zahlreiche weitere Opfer und ist aus pädagogischer Sicht besonders sinnvoll, um die notwendigen Verhaltensänderungen herbeizuführen.

2. Kompetente multiprofessionelle Fachkräfteteams Pädagogische Fachkräfte von freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sind mittels Dienstleistungsverträgen in die Arbeit der Polizei eingebunden. Sie sind hochqualifiziert und erfahren im Umgang mit der Zielgruppe. Sie haben ihren Arbeitsplatz in den Polizeibehörden. Dort steht ihnen ein kompetenter und erfahrener Kriminalbeamter als Teampartner zur Seite. Kurze Wege und ein schneller Austausch sind so jederzeit gewährleistet. Die pädagogische Fachkraft ist tagesaktuell über die Teilnehmer informiert und kann flexibel auf Veränderungen, z. B. neue Taten, reagieren.

3. Gemeinsame und verbindende Netzwerkarbeit Die pädagogischen Fachkräfte fungieren als Bindeglied zum Jugendamt und weiteren Kooperationspartnern wie z. B. Schulen. Sie koordinieren die Netzwerkarbeit und erstellen unter Berücksichtigung aller Aspekte, z. B. Planungen und Anregungen des Jugendamtes, ein passgenaues kriminalpräventiv wirkendes Angebot für die Kinder, Jugendlichen und deren Familien.

4. Individuelle und passgenaue Maßnahmen Die pädagogischen Fachkräfte schöpfen aus einem reichhaltigen pädagogischen und kriminalpräventiven Angebot lokaler Anbieter. Damit steht ihnen ein umfangreicher so genannter Baukasten an Maßnahmen zur Verfügung, der aus Elementen wie Kompetenztrainings (z.B. Coolnesstrainings oder Elterncoachings), integrativen Angeboten (z. B. Lernhilfe, Sprach- und Sportkurse), freizeitpädagogische Angeboten und weiteren wie z. B. Sucht- oder Schuldenberatung besteht. Wichtig dabei: Auf die Passung kommt es an! In manchen Fällen helfen bereits einzelne Maßnahmen, in anderen orchestriert die pädagogische Fachkraft ein ganzes Bündel solcher Hilfen.

5. Finanzielle Beteiligung des Landes Die Prävention von Jugendkriminalität steht in einem besonderen Landesinteresse, daher werden die Kosten für die pädagogischen Fachkräfte vollständig sowie die Maßnahmenkosten bis auf wenige Ausnahmen vollständig durch das Land NRW getragen.

Noch mehr Informationen zur Landesinitiative „Kurve kriegen“ gibt es unter http://www.kurvekriegen.nrw.de.


Auf dem Bild: Polizeipräsidentin Zurhausen und Bürgermeisterin Nicole Moenikes unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung. Foto: © Polizeipräsidium Recklinghausen.