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Auf dem Bild: Ausstellungseröffnung im Rathaus. Foto: Stadt Waltrop
Überschrift
Ausstellungseröffnung im Rathaus mit Kai Eickler, Bürgermeisterin Nicole Moenikes und Schirmherrin Kirsten Hase
Datum
13.05.2019
Meldung

Gemeinsam mit dem Künstler hat Bürgermeisterin Nicole Moenikes heute eine Ausstellung mit den Werken Kai Eicklers eröffnet. Ab sofort sind die Bilder während der regulären Öffnungszeiten im 1. OG des Rathaus-Altbaus zu sehen (Münsterstr. 1). Der Eintritt ist frei. Schirmherrin der Ausstellung ist Kirsten Hase von Hase Bikes.

Seit Freitag ist die im vergangenen Jahr angekündigte Kai Eickler-Ausstellung im Rathaus zu bewundern, heute wurde sie offiziell eröffnet. Der in seiner Mobilität eingeschränkte Künstler hat dafür viele Bilder zur Verfügung gestellt. Möglich wurde die Ausstellung mit Unterstützung von Georg Eskes von „Eskes Immobilien“, Gerhard Knüpp von der „Edith-und-Martin-Guse-Stiftung“ und Kirsten Hase.

Eickler, 1987 in Lünen geboren, stellt auf besondere und beeindruckende Weise technische und architektonische Wahrzeichen dar – darunter beispielsweise Hochseeschiffe, Wolkenkratzer oder Fußballstadien. Orte nämlich, deren Herausforderungen er sich gerne im Alltag stellt: Der Künstler sitzt im Rollstuhl und bietet seinem Handicap unter anderem dadurch die Stirn, dass er seine kreative Ader erfolgreich auslebt. Insbesondere unter dieser Prämisse sorgen die Werke des 31-jährigen Westfalen für Erstaunen bei ihren Betrachtern. Sie sind nicht nur handwerklich gut gemalt und oftmals verblüffend detailgetrau, sie erzeugen außerdem Tiefe und eröffnen einmalige Perspektiven.

Das aktuelle Bild zu Beispiel, das in Kürze fertiggestellt wird – „Die Titanic in der Meyer-Werft in Papenburg“ – bietet einen besonderen Blick auf das industrielle Wachstum in den vergangenen hundert Jahren: Der Clou ist dabei, dass Eickler das berühmte Schiff – das seinerzeit zwar doch nicht „unsinkbar“ war, aber der mit Abstand größte Ozeandampfer der Welt – in die moderne Werfthalle verfrachtet hat: In der riesigen Halle von heute wirke die Titanic im Bau „wie ein Kasten Cola im Getränkemarkt“.

Zu den Motiven gehören neben Waltrop unter anderem die Schalker „Veltins Arena“, ebenso wie die Spielstätte des großen Revier-Rivalen. Der Dortmunder „Signal Iduna Park“ ist gleich mehrfach vertreten. Der berühmte Kreuzer Bismarck zählt ebenso zu den Motiven, wie die Skyline von New York oder die berühmte Golden Gate Bridge.

Auch Eicklers erstes Bild aus dem Jahr 2003 mit dem Namen „Hawaii“ hängt im Rathaus. Es ist bunt und in besonders lebendigen Farben gemalt. Die anderen Bilder und Zeichnungen sind allesamt in Schwarzweiß gehalten. Darauf angesprochen findet der Künstler klare Worte und sagt, dass sein Leben und seine Krankheit „nun mal nicht bunt sind. Ich kann nicht schreiben, kann keine Schnürsenkel zubinden und ich weiß auch nicht, wie lange ich noch malen kann.“Er kann nicht schreiben, er kann sich keine Schnürsenkel zubinden, sagt er, und die Leute verstehen dann nicht, wie er solche detailgetreue Werke zustande bekommt. Er zuckt mit der Schulter und lächelt. Er malt mit Leidenschaft und scheint es auch mit in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Das Bild „Salzburg“ stammt eigentlich aus der Feder von seinem Großvater. Dieser hatte seine Heimatstadt Salzburg auf der Tapete im Wohnzimmer gezeichnet. Kai hat es nachgezeichnet, weil er wissen wollte, ob er dies auch könne. Kleinigkeiten bestimmen dieses Bild: der Campingwagen seiner Großeltern beispielsweise – mit dem sie immer so gerne verreist sind, so Kai zu dem Bild.

Mitten in der Ausstellungseröffnung klingelt auf einmal das Telefon von Kais Freund Georg Eskes. Es sollte eine Überraschung werden: Am anderen der Leitung war Esteban Louis Grieb aus Österreich. Dieser nämlich hat dieselbe Krankheit wie Kai und darüber ein Buch geschrieben. Beide hatten sich letztes Jahr im Landtag in Düsseldorf bereits kennengelernt und Freundschaft geschlossen. Grieb gratulierte zur Ausstellungseröffnung und lud zu einem neuerlichen Treffen ein.

Kai Eickler freut sich, dass die Bilder jetzt neue Betrachter bekommen und warf noch einen Blick auf sein Leben für die Kunst und auf seine Zukunft: „Ich sitze jedes Mal ein Jahr an solch einem Bild und konzentriere mich nur auf das aktuelle Werk. Ich vergesse dabei alle meine fertig gemalten Bilder und kümmere mich auch um nichts anderes. Wenn ich ein Werk abgeschlossen habe, fühle ich mich kurz als Künstler, bis die Arbeit am nächsten beginnt und ich überlege, wie ich das vorherige Bild übertreffen kann.“

Man solle sich später „nicht seine Bilder ansehen und sagen ‚Das hätte er auch besser hinbekommen‘.“ Er möchte mit seinen Bildern ein Denkmal setzen: „Wenn ich irgendwann nicht mehr bin, können meine Eltern sagen: ‚Das hat mein Sohn gemalt‘.“


Auf dem Bild: Ausstellungseröffnung im Rathaus. Foto: Stadt Waltrop