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Schleusenpark Waltrop

Foto des alten SchiffshebewerkesDer Schleusenpark ist als einzigartiges Ensemble der Industriekultur erhalten geblieben, angefangen vom „Alten Schiffshebewerk" über die alte Schleuse und das neue Hebewerk bis hin zur neuen Schleuse.

 

Ältester Bestandteil des Schleusenparks Waltrop ist das "Alte Schiffshebewerk Henrichenburg". Ungewöhnlich ist, daß das Bauwerk den Namen der ehemals zum Amt Waltrop gehörenden Gemeinde Henrichenburg trägt, obwohl es auf Oberwieser Grund steht. Der Boden ist auch schon die Ursache für dieses Wechselspiel: Ursprünglich sollte das Schiffshebewerk Ende des 19. Jahrhunderts in Henrichenburg erbaut werden, was aber aufgrund des sandigen Bodens nicht durchgeführt werden konnte. Also wurde das Absteigsbauwerk ein paar hundert Meter ostwärts verlegt, nach Oberwiese.

historisches Bild des Schiffshebewerkes

Der Bau eines Schiffshebewerks war notwendig geworden, nachdem in den 1890er Jahren Pläne genehmigt wurden, wonach der Bau der Wasserstraßen im Ruhrgebiet aufgenommen werden sollte, um der Region mit dem Schiffsverkehr günstige Verbindungen zum Umland zu verschaffen. Zur Überwindung einer Geländestufe von 14 Metern Höhenunterschied fuhren die Schiffe vom Kanal in einen wassergefüllten Trog, der von fünf Schwimmern getragen wurde.

 

Südlich des Hebewerks schließen der Rhein-Herne-Kanal, nördlich der Datteln-Hamm-Kanal und noch weiter nördlich der Wesel-Datteln-Kanal an den Dortmund-Ems-Kanal an. Im Kreuzungsbereich dieser vier Kanäle existieren die vier Abstiegsbauwerke des Schleusenparks, von denen zwei noch in Betrieb sind.

 

Die eigentliche Geschichte, die den Bau überhaupt erst möglich machte, begann aber schon rund 50 Jahre vorher. Denn bereits 1856 kamen zum ersten Mal Pläne auf den Tisch, nach denen ein Kanalwegenetz die wichtigsten Flüsse des Landes verbinden sollte. Es gab genug Kanalgegner, die vom Bau der Wasserstraßen gar nichts hielten. Da waren die Ostagrarier, die fürchteten, mit den Schiffen aus dem Westen würde auch billigeres Getreide auf den Markt kommen; auch das Saarland sperrte sich gegen die Pläne, weil es als konkurrierender Kohlestandort einen Wettbewerbsvorteil des Ruhrgebiets wähnte.

 

Erst 1892 fanden dann die ersten Erdarbeiten statt, die die nächsten sechs Jahre andauerten. Im Zuge dessen wurde dann 1894 mit dem Bau des Hebewerks begonnen. Bereits 1897, zwei Jahre vor der offiziellen Einweihung, sind die ersten Schiffe im Hebewerk gehoben worden: Die Premiere fand am 27. Dezember 1897 mit dem Dampfer Dortmund statt. Zum Jahreswechsel 1897/98 ist es dann endgültig in Betrieb gegangen. Das erste gehobene Personenschiff war die Strewe am 6. März 1899.

Hebewerk in der Abenddämmerung

Offiziell eingeweiht wurde das Bauwerk aber erst im Jahre 1899 vom damaligen Kaiser Wilhelm II. Bereits um 7 Uhr am 11. August 1899 kam er mit der Eisenbahn am Bahnhof Rauxel an. Am Unterwasser war bereits alles für die große Ankunft vorbereitet. Schnell wurde noch ein Probebetrieb am Hebewerk durchgeführt, um sicherzugehen, daß es auch bei der Kaiserankunft funktionieren würde. Für eine dreiviertel Stunde ging das Oberhaupt von Bord, um sich die Hebewerkstechnik genau erklären zu lassen. Dann wurde das Schiff des Kaisers im Trog gehoben, ehe er seine Fahrt auf dem Oberwasser fortsetzte.

 

Die nächsten 70 Jahre war das Hebewerk fortan in Betrieb, ehe es stillgelegt und durch ein neues Hebewerk in direkter Nachbarschaft ersetzt wurde. Zur damaligen Zeit stand das Bauwerk kurz vor dem Abriß. Als 1962 ein neues Schiffshebewerk in Betrieb genommen wurde, das das alte Hebewerk ersetzen sollte, begann allmählich der Niedergang des historischen Baus.

 

Nach der endgültigen Stillegung im Jahre 1970 verfiel es zur Ruine. Die technische Einrichtung wurde demontiert und verschrottet, die Fassade bröckelte. Die Bevölkerung in Waltrop wehrte sich gegen den Verfall und die Abrißpläne. Die Bemühungen führten zum Erfolg: 1979 wurde das Hebewerk unter Denkmalschutz gestellt und durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit dem neuen Projekt "Westfälisches Industriemuseum" gerettet.

 

Mit dem Museumsgedanken sollten technische Denkmale erhalten werden und ihre Bedeutung für die Bevölkerung herausgestellt werden. 1982 stellte das Land umfangreiche Mittel zur Restaurierung des Hebewerks zusammen. Über zehn Jahre wurde renoviert, die Museumssammlung aufgebaut und ein Konzept zur Museumsführung erarbeitet. Gleichzeitig wurden die Gebäude und technischen Einrichtungen wieder hergerichtet. Zur Jahrhundertwende verdient auch das Oberwasser wieder seinen Namen: 1999 wurde nämlich mit der Flutung des bis dahin trockengelegten Kanalbettes begonnen.

Spundwände des alten Schiffshebewerkes

"Es ist geschafft" - mit diesen Worten der Erleichterung wurde am 12. September 1992 das Museum "Altes Schiffshebewerk" eröffnet. Nach langen Jahren der Absperrung war das historische Bauwerk wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Mittlerweile ist das Museum zu einer der beliebtesten Ausflugsziele im gesamten Ruhrgebiet avanciert.

 

Für den Ansturm der Touristen sorgen aber nicht Museum und altes Hebewerk alleine, sondern das gesamte Schleusenpark-Ensemble. Denn selten liegen auf wenigen hundert Metern Fußweg vier so beeindruckende Industriebauwerke praktisch direkt nebeneinander. Vom "Alten Schiffshebewerk" aus über die Straße "Am Hebewerk" und die Provinzialstraße sind es knapp fünf Minuten bis zur alten Schleuse.

 

Noch während des Baus des Hebewerks begannen die Planungen für den Bau eines zweiten Abstiegsbauwerkes, um jederzeit einen ununterbrochenen Verkehr sicherstellen zu können. 1914, zeitgleich mit der Fertigstellung des Rhein-Herne-Kanals, wurde das zweite Abstiegsbauwerk in Betrieb genommen. Diesmal handelte es sich nicht um ein Hebewerk, sondern um eine Schachtschleuse, die nach einem anderen technischen Prinzip funktioniert. Hier fahren die Schiffe nicht in einen Trog, der von Schwimmern gehoben oder gesenkt wird, sondern in ein geflutetes Becken, dessen Wasser sich beim Senken in zehn Außenbecken ausbreitet.

 

Bereits in den 20er Jahren wurde der Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals gefordert, um Dortmund als Industriestandort wettbewerbsfähig zu halten. Als Teil der Ausbaumaßnahmen war auch der Bau eines dritten Abstiegsbauwerkes geplant. Als im April 1959 der Kanal für Schiffe mit 1000 Tonnen Gewicht und 2,5 Metern Tiefgang freigegeben wurde, bildete das Nadelöhr Waltrop noch einen Engpaß: Das alte Hebewerk war für Transportschiffe zu klein, die Schachtschleuse überfordert. Im August 1962 wurde mit der Inbetriebnahme des neuen Schiffshebewerks dieses Problem gelöst.

 

Als in der Folgezeiten nach erneutem Kanalausbau auch Schubverbände die Geländestufe passieren mußten, kam es erneut zu einem Engpaß. Um Schubschiff und Leichter gleichzeitig zu heben oder zu senken, waren sowohl das Schiffshebewerk als auch die alte Schachtschleuse zu kurz. Ein viertes Abstiegsbauwerk mußte her.

Alte Maschine des Schiffshebewerkes

Diesmal sollte es wieder eine Schleuse sein, die für die Überwindung des Höhenunterschiedes arbeiten sollte. Als im April 1985 der erste Spatenstich zur neuen Schleuse erfolgte, war klar, daß das neue Bauwerk dazu befähigt sein mußte, auch Großmotorgüterschiffe mit über 110 Metern Länge aufnehmen zu können. Wie schon das "Alte Schiffshebewerk", so wurde auch die neue Schleuse an einem 11. August eingeweiht, diesmal im Jahre 1989. Insgesamt hatte die Schleuse jetzt eine nutzbare Länge von knapp 190 Metern und konnte zwölf Meter breite Schiffe aufnehmen.

 

Am schnellsten vollzieht sich der Hub- und Senkvorgangs einschließlich Ein- und Ausfahrt beim neuen Hebewerk. Nach 34 Minuten ist alles vorbei, derweil das alte Hebewerk 45 Minuten brauchte. Die beiden Schleusen benötigen noch einmal eine Viertelstunde mehr: Nach 60 Minuten ist eine Doppelschleusung an der Geländestufe Waltrop erfolgt. Hatte das neue Schiffshebewerk mitte der 60er Jahre das historische Hebewerk abgelöst, stand Ende der 80er Jahre das Ende der alten Schleuse an, nachdem aufgrund der immer größer werdenden Schiffe auch ein neu dimensioniertes Absteigsbauwerk notwendig geworden war.

 

Die neue Schleuse sollte in direkter Nachbarschaft zur alten Schleuse entstehen und wurde auf der Freifläche zwischen alter Schleuse und neuem Hebewerk geplant. Die alte Schachtschleuse wurde 1989 endgültig außer Betrieb gesetzt. In der Folge wurden umfangreiche Renovierungsmaßnahmen durchgeführt, bei denen unter anderem auch die beiden Türme der Schleusenfront wieder ihr Dach aufgesetzt bekamen. Fünf der zehn Schleusenkammern der alten Schachtschleuse mußten beim Bau des neuen Absteigsbauwerkes aufgegeben werden. Dort enstand außerdem ein Parkplatz und ein Café für die vielen Besucher des Schleusenparks.

 

Text: Michael Braun


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